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15.05.13

Muss Hannahanna weinen?

Für Hannahanna, Urmutter der hethitischen Götter und Bringerin der Fruchtbarkeit, sind Bienen Schutzgeister (die sie zum Beispiel mit Suchaufträgen durchs Land schickt), die die Fruchtbarkeit der Natur erhalten helfen.

Das trifft die Sache ziemlich genau - eine schier unüberschaubare Vielfalt an Bienen, sei es Wildbienen




oder Honigbienen


befruchtet, gemeinsam mit vor allem Hummeln, Wespen, Fliegen
viele, sehr viele, der von uns Menschen bevorzugten Nahrungsmittel (Käfer, Fliegen, Vögel, anderes Getier und nicht zuletzt das himmlische Kind, der Wind besorgen den Rest).
Dabei sind die intensiv gezüchteten Honigbienen (Königinnen sind z.B. oft F1 Hybriden) nicht ganz so effizient wie ihre wilde und meist einzelgängerische Verwandtschaft, was in letzter Zeit Gegenstand mehrerer Untersuchungen war:

In der bekanntesten wurden die Befruchtungsraten durch 'Honigbienen' (ich habe keine Hinweise gefunden, ob es sich um die weltweit am meisten verbreitete Bienerasse, die Carnica oder eine andere wie die Dunkle Biene oder mehrere unterschiedliche Rassen gehandelt hat) und Wildbienen verglichen. Das griffige Fazit: 100 Honigbienen und 50 Wildbienen bestäuben mehr Pflanzen als 150 Honigbienen.
Wenn Imker also ihre Honigbienen-Völker gezielt neben Felder mit Sonnenblumen, Erdbeeren und Kirschbäume stellen, sichern sie der Forschungsgruppe zufolge damit lediglich einen Grundertrag. Besser werde die Ernte, wenn auch Wildbienen und andere Insekten wie die Schwebfliege oder Käfer hinzu kämen. Ihr Lebensraum sei jedoch in einer von industrieller Landwirtschaft geprägten Agrarlandschaft nicht mehr ausreichend vorhanden.
              Quelle: Der Standard, 2.3.2013, Wildbienen sind weitaus wichtiger als gedacht.

Zusammengefasst:
  • Spritzmittel führen zum Bienensterben (der direkte Zusammenhang ist in einigen Fällen offenbar schon nachgewiesen)
  • Lebensraumverluste haben in den letzten 120 Jahren zu einem Sinken der Befruchtung geführt.
  • Wildbienen sind um einiges effizienter als Honigbienen, sie müssen ebenfalls gefördert werden, denn
  • Kulturlandschaften mit Lebensraum für (Wild)Bienen erhöhen direkt die Befruchtungsraten (Fig. 3 anklicken, in "Landscapes with wild bee habitats enhance pollination, fruit set and yield of sweet cherry")
  • die Überzüchtung - "Überzüchtet wie Hausschweine seien Bienen inzwischen, berichtet Tautz. Krankheiten und Umweltgifte setzten ihnen zu. Quelle" - der (Carnica)Bienen hilft nicht, das Problem zu verkleinern

Eine Möglichkeit, sich gegen die Verwendung der Nikotinderivate als Spritzmittel einzusetzen, besteht auf der von Greenpeace betriebenen Plattform bienenschutz.at. Die Seite bietet Informationen über Bienen, ihren Schwund und Möglichkeiten, ihnen selbst aktiv mehr Lebensraum zu bieten.

Nach den Erfahrungen in meinem Garten kann ich empfehlen:
  • Wohn- und Überwinterungsmöglichkeiten bieten, am besten natürliche - sie sind gleichmässiger im Garten verteilt, und nicht wie bei einem Insektenhotel an einem Ort konzentriert (selbiges ist allerdings eine tolle Ergänzung).
  • Ungestrichenes, allenfalls lasiertes Holz verwenden (Nestbau!)
  • Pflanzenreste stehen lassen, hohle Stängel sind begehrt
  • Totholz nicht (restlos) entsorgen
  • Wasser für's trinken anbieten (Vogeltränke)
  • Blütenpflanzen aus verschiedenen Pflanzenfamilien ziehen, z.B. Doldenblüher (mein Post zum Thema)
  • auf Vorfrühlings- und Herbstblüher achten.

Ich denke übrigens, dass Hannahanna momentan weint.

traurige Grüsse
 Brigitte

Nachtrag: visuell sehr ansprechender 4Minuten Film über die Schönheit der Bestäubung. Mit epischer Musik ;) und ein Post über Bienenbeuten in unserem Garten

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  • weiterverwenderin von altem oder entsorgtem (auch im garten) und von gestaltung und design (fast) so begeistert wie vom gärtnern.
  • garten- und pflanzenfotografin (Getty Images Contributor)
  • berufung als gartentrainer andere mit begeisterung für's garteln anstecken und unterstützen.