Langenloiser Staudentage naturnah


Gestern kam ich von den (23ten) Langenloiser Staudentagen zurück. Die waren schon immer proppenvoll mit Pflanzenwissen. Aber heuer gab es besonders viele Vorträge mit Bezug zu naturrespektierendem Gärtnern. Und das Publikum kam weit herum, virtuell, nämlich

nach England, in einer der recht wenigen organic gardens (sogar biologisch dynamisch, Demeterbetrieb) auf der Insel. Head gardener Beatrice Krehl berichtete von den Gärten von Waltham Place. Sie ist Landschaftsplanerin und arbeitete bei Mien Ruys. Diese wiederum hatte beträchtlichen Einfluss auf die gestalterische Tätigkeit von Henk Gerritsen (Priona Tuin). Er gestaltete für die Besitzer von Waltham Place, den organic gardening Pionieren Strilli Oppenheimer und ihrem Mann, Nicky (ja der CEO von De Beers Diamanten) die Gärten nach seinen ('dream nature') und ihren naturnahen Prinzipien ('working with nature') um und aus.
Ich kannte Gerritsen und die Gärten schon aus Berichten, umso spannender die Erzählungen aus erster Hand.

Phlox in einem Wiener Privatgarten
ins Russland der Phloxe, das aus den begeisterten Schilderungen Christian Kreß (Sarastrostauden) lebendig wurde. Im Westen weitgehend unbemerkt, tut sich eine unglaubliche Vielfalt an Farben (von mondänem trüblila bis strahlend rosa), Blütenformen und -grössen auf - alle Phloxe sind gesund und standfest. Einmal im Jahr gibt es in St. Petersburg eine Ausstellung mit Prämierung. Langsam, wie es die Möglichkeiten zulassen, wird Kreß Sorten in den Westen holen und hier mit ihnen eigene Auslesen züchten. Klein. und reichblumige. JA.

Seerosentulpe (Tulipa kaufmanniana)
in die Steppen und Gebirge und (Salz)wüsten von Kasachstan, in die uns Thomas Ster von Botanischen Garten Graz mitnahm, um die Blüte der Frühlingsgeophyten zu sehen. Tulpen an Naturstandort, besonders interessant die aus höheren Lagen mit etwas mehr Bodenfeuchtigkeit und Niederschlägen, die den pannonischen Bedingungen etwas mehr entsprechen wie Tulipa kaufmanniana. Eine Empfehlung für unsere Frühlingsgärten war Blaulilie (natürlich keine Lilie) - Ixilirion tataricum, das mit unseren Verhältnissen zurechtkommt - sehr guter Wasserabzug vorausgesetzt. Nach neuesten Erkenntnissen stammt übrigens ein wichtiger Elternteil unser Kulturäpfel aus diesem Gebiet, Malus sieverii.

in Privatgärten in D, Ö und CH. Jörg Pfennigschmidt sieht eine seiner Aufgaben darin, Kundenwünsche und Kundenmöglichkeiten (z.B. zeitliche) in Einklang zu bringen und zeigt sehr stimmungsvolle Pflanzungen - Spargel (Asparagus pseudoscaber 'Spitzenschleier') bringt zum Beispiel nebelhafte Leichtigkeit, Monika Schüttengruber stellt, neben ihrer Planungstätigkeit in ihrer Grazer Gartenakademie Laien in einjährigen Kursen gärtnerisches Basiswissen zur Verfügung, Peter Steiger zeigt schattengeeignete Wildpflanzen (immenses Wissen!) aus seinem und Kundengärten*. Meine, wie ich merke, gar nicht so geringe Vielfalt kann ich durch einen weiteren Farn ergänzen - in unseren Garten müssen sie kalkverträglich sein, und das ist der Schildfarn offenbar (Polystichum aculeatum).

Über Ausbreitungsstrategien von Pflanzen, insbesondere Stauden, und wie Wissen über selbige bei der Planung von Staudenpflanzungen helfen kann, erörterte Norbert Kühn. Die Einteilung in 8 Strategietypen soll die Einteilung nach Lebensbereichen von Pflanzen ergänzen und eine grobe Wuchs- und Habitusabschätzung erlauben. Die von Steiger erwähnten frühblühenden Waldpflanzen und von Ster vorgestellten Frühlingsgeophyten gehören zur Gruppe 6, den Stressvermeidern (sie vermeiden das stark beschattende Laubdach bzw. die Sommertrockenheit durch frühen Abschluss ihres Wachstumszyklus - sie 'ziehen ein'.  Das Buch zum Thema von Kühn fand ich sehr informativ**.

Zwei Vorträge gingen baden, in Naturpools und Schwimmteiche: Wolfram Kircher beschäftigt sich mit der Bepflanzung von Schwimmteichen und zeigt Pflanzen für Wasser mit niedrigem Härtegrad, also künstlichen .Mooren' am Teichufer. Zwei wichtige Hinweise: niemals chemische Pestizide oder Pyrethrumpräparate einsetzen, niemals Phosphathaltige Düngemittel einbringen.
 Claudia Tögel zeigt, in sehr schönen Bildern, welche Pflanzen aus dem Standardsortiment zwar nicht im Teichsortiment aufscheinen, aber sehr wohl für Ufer- und flache Randzonen geeignet sind. Die Kardinalslobelie (Lobelia cardinalis) zum Beispiel, hält unter 20cm Wasser unsere Winter im allgemeinen aus. Und leuchtet dann mit ihrem unwahrscheinlich strahlenden Rot aus dem begleitenden Grün.

Wie jedes Jahr gab es den kurzen Überblick über die Sortimentssichtungen im Sichtungsgarten Wilfleinsdorf bei Bruck/Leitha - mit Hinweisen, welche Pflanzenarten und welche Sorten sich im ostösterreichischen Raum (pannonisches Klima mit wenig Niederschlägen und heißen Sommern) am besten bewähren.

Parallel zu zweien der Gestaltungsvorträge gab es zwei Vorträge über biologische Produktion: Xandl Schmidhammer ('Da Gärtna') berichtete über die Umstellung auf und die Erfahrungen (positive, wie ich gehört habe) mit ihr, Franz und Maria Ell berichteten von ihrem Biobetrieb bei Nürnberg.

Mit weitergebildeten Grüssen


Buchtipps
*heuer kommt Steigers (Bestimmungs)buch Esche, Espe oder Erle heraus. Das kann nur sehr gut sein.
**es ist allerdings ein klassisches Fachbuch mit entsprechend tlw. trockenen Betrachtungen. Ganz anders lesen sich die kurzen historischen Abhandlungen zur Staudenverwendung

Kommentare

  1. Danke für den Bericht, das hätte mich auch alles sehr interessiert!
    LG, Katrin

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  2. gerne Katrin! Vielleicht kannst Du nächstes Jahr kommen?
    lg, brigitte

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  3. Nein, während der Woche werde ich nie frei bekommen, leider (ich unterrichte ja). Ich hab dafür aber andere Vorteile ;-)

    LG, Katrin

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  4. Hört sich spannend an, liebe Brigitte - ich danke dir für den Bericht und wünsche dir eine gute Woche, liebe Grüsse, Annette

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  5. gerne geschehen! Ich berichte nächstes jahr gerne wieder :)

    lg, brigitte

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